Thema des Monats
Transfercoaching
Transfercoaching nennt sich eine spezielle Beratungsleistung, die externe Unterstützung bei der Übertragung von Trainingsinhalten in den Arbeitsalltag leistet. Per Telefon bzw. in einer überschaubaren Zahl von persönlichen Gesprächen unterstützt der Coach Seminarteilnehmer dabei, ihre Vorsätze aus dem Training auch tatsächlich in die Tat umzusetzen.
Dabei können die Hindernisse, die einer erfolgreichen Umsetzung im Weg stehen, vielfältig sein: der eigene innere Schweinehund, die mangelnde Kooperationsbereitschaft von Kollegen, das häufig genannte Problem des Zeitmangels. Die Tatsache, dass Hindernisse auf dem Weg zur Umsetzung auftauchen, ist dabei eher die Regel und nicht die Ausnahme. Denn oft geht es in gewachsenen Systemen darum, als Einzelner Veränderungen anzustoßen und eigene, eingeschliffene Verhaltensweisen zu verändern.
Zu Recht könnte man bei dem Thema auf dem Standpunkt stehen, dass die Unterstützung bei der Umsetzung von Veränderungen eigentlich Sache des jeweiligen Vorgesetzten ist. Dieser sollte sich für die Transferziele des Teilnehmers interessieren, deren Umsetzung einfordern und Mitarbeiter bei der Überwindung von anfänglichen Schwierigkeiten unterstützen. Allerdings zeigt die betriebliche Praxis, dass viele Vorgesetzte an dieser Stelle ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.
Das bedeutet, dass der Seminarteilnehmer häufig alleine vor der Herausforderung der Umsetzung steht. Nur wenigen gelingt es aus sich selbst heraus, langfristig ihr Verhalten in die gewünschte Richtung zu verändern.
Unterstützung per Telefon
Wenn Vorgesetzte kaum Transferhilfen bereit stellen, liegt es nahe, dass externe Dienstleister einen Service anbieten, der diese Aufgabe professionell übernimmt. Dies geschieht unter anderem per Telefon. Dass diese Form inzwischen zunehmend an Bedeutung gewinnt, liegt auch daran, dass in vielen Unternehmen inzwischen ein Budget für Coaching zur Verfügung steht. Zudem wird noch genauer als vor Jahren darauf geachtet, dass die in Trainings investierten Mittel sich auch rentieren. Eine sinnvolle Verknüpfung von Training und Coaching ist dazu eine gute Möglichkeit.
Das Prinzip des Transfercoachings ist einfach: Nach der Maßnahme hakt der Coach mehrfach zu vorher festgesetzten Terminen telefonisch nach. Seine Aufgabe ist es, die Teilnehmer dabei zu unterstützen, ihre Umsetzungsziele in praktische, zur jeweiligen Person passende Schritte herunterzubrechen und anschließend zu überprüfen, ob die Umsetzung funktioniert hat.
Der Coach sorgt für Verbindlichkeit
Eine der wichtigsten Aufgaben des Transfercoaches ist es, Verbindlichkeit zu schaffen. Darüber hinaus unterstützt er Teilnehmer beim Überwinden von auftretenden Hindernissen und Hürden. Die Erfahrung zeigt: Mit jedem erfolgreich bewältigten Hindernis wachsen Selbstbewusstsein und Kompetenz des Lernenden. Aktive Transferbegleitung ist also Kompetenzentwicklung – Transferphasen sind praxisnahe Lernphasen.
Vier typische Hürden, die Seminartransfer erschweren
Es gibt vier Hauptaspekte, die erfolgreichen Seminartransfer verhindern.
Hürde 1: „Ich hatte beim besten Willen keine Zeit für den Transfer“.
Hürde 2: „Ich habe es wirklich ernsthaft probiert, aber meine Mitarbeiter/Kollegen spielen nicht mit“.
Hürde 3: „Ich will nicht!“
Hürde 4: „Ich schaffe es sowieso nicht“.
Bei der Bearbeitung der vorweg genannten Einwände und Widerstände kommt es auf die Erfahrung und das Geschick des Transfercoaches an, z.B. mit Hilfe lösungsorientierter Fragen oder ggf. auch durch systemische Interventionen Blockaden zu überwinden und den Teilnehmern wieder Vertrauen in ihre eigene Handlungsfähigkeit zu vermitteln.
Ganz gleich, mit welcher Hürde die Teilnehmer (und damit auch der Transfercoach) zu kämpfen haben: Für viele Teilnehmer ist es hilfreich, eine Zeit lang jemanden zu haben, der konsequent nachhakt und bei der Umsetzung von Vorhaben unterstützt. Jedes überwundene Hindernis beim Praxistransfer stärkt die Teilnehmer in ihrem Selbstbewusstsein und ermutigt sie, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Zudem übernehmen viele Teilnehmer langfristig die dem Verfahren innewohnende Philosophie der kleinen Schritte in ihren Arbeitsalltag. Dies führt dann dazu, dass immer mehr gute Vorhaben auch tatsächlich umgesetzt werden.
(Quelle: Der Anstoß zur Veränderung – Transfercoaching, managerSeminare, Heft 146, Mai 2010, S. 58-63)